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Weihnachten

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Ach ja…Weihnachten…

Ich habe lange nachgedacht, um einen Artikel dazu zu schreiben und ein paar meiner eigenen Familienmitglieder dazu befragt. Fazit:

Weihnachten lässt niemanden kalt. Ein Dauerbrenner, den wir ab Jänner ignorieren, der sich wie ein lästiger und recht ambivaltenter Gedanke aus dem Unterbewußtsein hebt, bis im November irgendjemand – zumindest in unserer Patchwork Familie das Schweigen bricht und den Satz der Sätze sagt: du, wie tun wir heuer zu Weihnachten?

Und dann ist es da, das Gefühl, nein, die Gefühle allesamt. Ein bisschen Glück, wenn man an die Kerzen und den Baum und das wohlige Gefühl denkt, ein bisschen Friede und Wärme, aber auch Trauer, Einsamkeit, Angst, Verlust und wieder Trauer.

Weihnachten ist das Fest, bei dem uns selten so klar vor Augen gehalten wird, wer wir sind, wo wir stehen und was wir verloren haben.

Auch wenn alles unterm Jahr gut auf Schiene ist, die Kinder zufrieden sind und Patchwork längst zur Routine geworden ist. Am 24. Dezember ist der unvollständigste Tag des Jahres.

Warum. Angenommen, alle Kinder sind dieses Jahr bei uns, dann wird gekocht, geplant, gebacken und geschmückt. Wir freuen uns auf eine große Runde an Menschen, die uns lieb sind. Wir werden wie immer ein bisschen Singen, große staunende Kinderaugen sehen dürfen und das ist alles was zählt. Wir sind dankbar, dass das möglich ist, wissen aber auch, dass dieses Jahr mindestens

zwei andere Elternteile einsam sind. Ihre Kinder vermissen und noch deutlicher spüren, was sie verloren haben. Nächstes Jahr sind es wir, die leiden werden.

Und bei all diesen Gedanken, denke ich unweigerlich an all unsere Patchwork Kinder. Wie muss es erst diesen gehen? Kinder wissen, dass sie fehlen, mehr denn je zu Weihnachten. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sehr sie verdrängen müssen, um zu genießen.

Und eine andere Variante: alle gemeinsam? Ein großer bunter Haufen? Ich gebe zu, wir haben es probiert. Einmal…es ist, was es ist, sagt das Christkind, ein bunter Haufen, der uns ganz schnell erkennen läßt, dass das auch nicht stimmig ist. Noch mehr rücken die Kinder in den Vordergrund, noch mehr sehen wir als Stiefeltern, wo wir stehen, noch mehr sehen wir die leuchtenden Augen der Original Eltern, bei der Freude über ihr(e) Kind(er), die wir nie gemeinsam erreichen werden. Und wir werden bei unserer Freude über unsere gemeinsamen Kinder ertappt.

Noch mehr müssen sich die Kinder anstrengen, nicht in einen unangenehmen Fokus zu kommen, auch wenn alle versuchen, nichts auf die Kinder zu übertragen – es bleibt ein fahler Nachgeschmack und die Tatsache, dass man ja auch unterm Jahr nicht zusammenlebt mit allen Expartnern, warum sollte man dann zu Weihnachten so tun als ob.

Oft bleibt etwas, ein Thema, das man dann in den ewig langen Jänner hineinzieht, ein Thema, das man vor Weihnachten so nicht erkannt hat und dann ist es oft nicht so ganz lustig, da wieder heraus zu kommen, sich der Wahrheit, der Situtation zu stellen.

Ich habe mir dazu vorgenommen, gemeinsam mit meiner Kollegin, Ingrid Weillinger, einen Aufstellungstag speziell für uns Patchwork Familien anzubieten. Und genau im Jänner. Um nicht alleine zu sein, mit den nachwirkenden Gedanken. Um Dinge zu festigen und loslassen zu können und um Weihnachten nicht mehr bis November unter der Oberfläche halten zu müssen, wenn jemand wieder die Frage stellt: und, wie tun wir heuer zu Weihnachten?